(C) Ron Ramtang

Biologische Landwirtschaft im Himalaya

Der kleine indische Bundestaat Sikkim wagt ein einzigartiges Experiment. Auf der Grenze zu Nepal liegend, gut 8.000 Kilometer weit weg von Deutschland, entpuppt sich der 2. kleinste indische Bundesstaat als einer der größten Vorreiter im puncto biologischen Anbaus: Sikkim baut auf Landwirtschaft ohne Pestizide und ohne Kunstdünger – 100% Bio. 

„Wir wollen nicht nur von der Natur nehmen, wir wollen ihr auch etwas zurückgeben“, sagt eine der Feldarbeiterinnen in Sikkim und vermittelt damit die Grundeinstellung der dortigen Landwirte. Eine Einstellung, die uns, unserer Erde und all ihrer Ökosysteme ganzheitlich gut tun würde. Ein Drittel des kleinen Bundesstaates am Himalaya steht unter Naturschutz. In diesen Bereichen darf weder gejagt und noch gefischt werden. Müllvermeidung, insbesondere die Vermeidung von Plastikmüll wird in ganz Sikkim stark vorangetrieben. Über 40% des Landes sind bewaldet. Über der bergigen, klimatisch vielseitigen Landschaft (tropisch im Süden, Tundra im Norden, gemäßigt im Zentrum), thront majestätisch der dritthöchste Berg der Welt: der 8.586 hohe Kangchenzönga. 

„Organic Mission“ – Chemie verboten

Wer an der Grenze zu Sikkim mit Kunstdünger, Pestiziden oder damit behandelten Lebensmitteln erwischt wird, muss mit einer Enteignung dessen rechnen und kann mit ernsthaften Strafen zur Rechenschaft gezogen werden. Denn auf konventionell produziertem Anbau liegt ein Importverbot – um die eigenen Biobauern und den Verbraucher selbst zu schützen. Das bedeutet auch, dass die Behörden von Sikkim dazu legitimiert sind, mit Pestiziden verunreinigtes Gemüse zu vergraben und zu vernichten. Agrochemiegiganten wie Bayer oder BASF sind in Sikkim nicht willkommen. 

Scheinbar sehr wohl aber in Deutschland. Nur ungefähr 1% aller Äcker und Felder entsprechen hierzulande den Öko-Richtlinien. Unsere Regierung will den Ökolandbau bis auf 20% bis 2030 ausbauen – ein Vorhaben, das schon die rot-grüne Koalition 1998 formuliert hatte. Zwanzig Jahre später zeigt sich heute, das man immer noch einiges vom neuen, indischen Vorbild lernen kann. Denn Landwirte, die ihre Felder und Äcker ökologisch bewirtschaften wollen gibt es auch bei uns durchaus. Nur sind die Rahmenbedingungen für jene Bauern denkbar schlecht, solange chemisch behandeltes Gemüse zu surreal günstigen Preisen in unseren Supermärkten landet.

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