Hilfsprojekt am Bwindi Nationalpark

Ruhija – idyllisch auf einem Hügel gelegen © Radmila Kerl

Am 31. Oktober 2009 war es endlich soweit! Mit rund 100 Kilo zusätzlichem Gepäck flogen wir zu sechst (u. a. drei Mitglieder des Mondberge-Fotografenteams) von Brüssel nach Entebbe in Uganda. Unser Ziel war Ruhija, ein kleines Dorf am Bwindi Nationalpark. Acht Stunden Flug und 10 Stunden Autofahrt später erreichten wir den Ort ohne Probleme und checkten in einer der drei brandneuen Lodges, wunderschön auf der Kuppe eines Hügels gelegen, für drei Nächte ein.


Berggorillas der Bitukura-Gruppe - © Andreas Klotz

Ruhija

Ruhija ist auf rund 2.500 Metern der am höchsten gelegene Ort am Bwindi-Wald – von hier hatten wir (leider nur am ersten Abend) einen wunderschönen Blick auf die weiter südlich gelegene Virunga-Vulkankette.

Erst vor circa einem dreiviertel Jahr wurde hier die Bitukura-Berggorilla-Gruppe neu habituiert und kann nun auch von Touristen besucht werden. Permits werden im Moment allerdings immer erst drei Monate im Voraus von der UWA (Uganda Wildlife Authority) verkauft. Anders als z. B. in Buhoma (wo es schon seit vielen Jahren drei habituierte Gorillagruppen gibt), existiert in Ruhija so gut wie keine touristische Infrastruktur. Erst vor wenigen Wochen haben die ersten drei Lodges fast zeitgleich eröffnet. Wirklich ohne Ausnahme sind wir von den Menschen dort freundlich und interessiert aufgenommen worden. Weiterhin ist Ruhija Stützpunkt der ITFC (Institute of Tropical Forest Conservation) und vier Monate im Jahr die Heimat von Martha Robbins.

Martha Robbins

Schon seit elf Jahren erforscht Martha im Auftrag des Max Planck Instituts Leipzig das Leben und Verhalten von Berggorillas. http://www.eva.mpg.de/primat/staff/robbins/cv.htm. Wir hatten im Vorfeld der Reise viele Wochen lang einen intensiven E-Mail-Kontakt, und Martha bereitete freundlicherweise – in Abstimmung mit dem B&RD – das neue Hilfsprojekt mit dem ITFC vor. Nur vier Monate nach dem Erscheinen unseres Buches „Perle Afrikas“ standen bereits über 3.000 Euro für verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Wir trafen Martha am ersten Tag kurz vor unserem Gorilla-Tracking und verabredeten uns für den Abend. Auch den nächsten Tag hatte sie sich frei gehalten und verbrachte ihn komplett mit uns – in und um Ruhija.

Übergabe der Displays und aller anderen Hilfsgüter am ersten Abend an Martha Robbins. © Andreas Klotz
Drei Gorillas der Bitukura-Gruppe © Andreas Klotz

Bitukura Gorilla-Tracking

Natürlich wollten wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen – und auch ein Gorilla-Tracking durchführen. Für uns war es richtig spannend, Berggorillas zu besuchen die noch nicht lange habituiert waren und bisher selten Touristen gesehen hatten. Werden die Tiere sich anders verhalten? Nach einem wirklich guten Briefing durch Chris, unseren Guide, marschierten wir mit Stöcken und Kameras gegen 9 Uhr los. Die Sonne strahlte vom Himmel (trotz Regenzeit) und Martha hatte uns schon beruhigt, dass es vermutlich nicht lange dauern würde, die Gorillas zu finden. Der Wald ist an diesem Ort etwas dichter und sehr viel steiler als wir es aus Buhoma kannten. Wir gingen fast die ganze Zeit bergab. Und tatsächlich: Schon nach einer Stunde und fünf Minuten trafen wir die Bitukura-Gruppe. Sie besteht im Moment aus 15 Mitgliedern, davon sind allerdings sage und schreibe vier Silberrücken. Es zeigten sich uns zwar nicht alle Tiere, dafür aber teilweise umso länger und „fotogener“ – bei schönstem Licht saßen z. B. drei Silberrücken minutenlang gleichzeitig auf einem Waldweg. Jedes Gorilla-Tracking ist anders, jedes ist ein besonderes Erlebnis!

Displays zur Aufklärung

Die erste konkrete Maßnahme des Mondberge-Hilfsprojekts war die Produktion von sieben verschiedenen Displays im Großformat von 1 x 1,80 Meter. Mit Texten von Martha Robbins und Fotos aus dem Mondberge-Projekt wurden sie von uns gestaltet und produziert. Von jedem Motiv wurden vier Stück gedruckt und wir nahmen sie mit nach Uganda. Die Displays wurden in Ruhija, Buhoma, Nkuringo und Rushaga aufgehängt und eingesetzt. Wir mussten gleich die Ärmel hochkrempeln und die ersten sieben in Ruhija selbst anbringen. Haken? Nägel? Kabelbinder? Gute Ideen, doch keiner hatte daran gedacht etwas Derartiges mitzunehmen. Also folgte die „afrikanische Lösung“: Aus einem Stapel alter Bretter wurden krumme, verrostete Nägel herausgezogen, einigermaßen gerade gehämmert – und nach kurzer Zeit hingen die sieben Displays und wurden sogleich von uns, den UWA-Mitarbeitern (Uganda Wildlife Authority) vor Ort und ein paar zufällig vorbeikommenden Touristen bestaunt.

Sie sollen dazu beitragen, Touristen UND Einheimische unübersehbar groß, deutlich und einfach über Gorillas aufzuklären, um damit für größeres Verständnis zu sorgen und eine bessere Einhaltung der Regeln zu gewährleisten. Martha hat sich sehr darüber gefreut und wird die restlichen Exemplare rund um den Bwindi-Nationalpark verteilen.

Nagelbeschaffung ohne „OBI“ © Andreas Klotz
Erleichterung nach dem Aufhängen der sieben Displays in Ruhija. © Andreas Klotz

Nächste Maßnahmen

Ein etwa anderthalbstündiger „Nature-Trail“ soll als weiteres alternatives touristisches Angebot in Ruhija etabliert werden. Frauen aus der Dorfgemeinschaft werden ihn demnächst als geführte Tour anbieten. Damit können direkt für die „Community“ in Ruhija zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Wir haben vor, einen kleinen gedruckten „Nature-Trail-Guide“ zu produzieren, den sie dann noch zusätzlich an Touristen verkaufen können.

Nach dem Besuch einer Grundschule ist nun auch ein „Gorilla-Buch“ in Englisch und in der Landessprache geplant. Sobald wir Texte aus Uganda bekommen, werden wir damit beginnen. Wir hatten auf Wunsch Kreide, Buntstifte, Kugelschreiber und Landkarten mitgebracht – die Kinder haben sich sehr gefreut und uns gleich mehrere Tanz- und Gesangsvorführungen geboten.

Ausblick

Das von uns initiierte „Mondberge-Hilfsprojekt“ soll im Kern der Schulung, Ausbildung und Aufklärung der einheimischen Bevölkerung am Bwindi Nationalpark – und damit dem langfristigen Schutz des Waldes und der Berggorillas – dienen. Damit erfüllt es auch eines der erklärten Ziele der Vereinten Nationen im „Jahr des Gorillas 2009“. Davon konnte sich auch Veronika Lenarz von der UNEP/CMS überzeugen, die auf dieser Reise mit uns in Ruhija war.

Eine Schulklasse mit über 100 Kindern © Frank Hanel

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