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Die Gärten der Königin: Kubas Korallenriffe

Die Korallenriffe etwa 100 Kilometer südöstlich von Kuba tragen nicht umsonst den Namen Jardines de la Reina. Der Nationalpark, zu deutsch Gärten der Königin, gilt als das gesündeste marine Ökosysteme der Karibik und ist Heimat ganzer Wälder aus Elchgeweihkorallen, Riesenzackenbarsche, Echter Karettschildkröten, Riff- und Seidenhaie sowie vieler weiterer Organismen und Meeresbewohner. 

Was macht Kuba richtig, dass dessen vielseitige Unterwasserwildnis als artenreiches Kronjuwel der Karibik zwischen all den Negativnachrichten um sterbende Korallenriffe weltweit hervor sticht? 


Kubas Meeresökosystem vibriert vor Leben

Mehr als die Hälfte aller Arten, die in der Karibik endemisch vorkommen leben in den küstennahen Gewässern, Feuchtgebieten und Mangrovenwäldern Kubas. Die Flachwassergebiete sind wichtige Lebensräume für mehr als 200 Vogelarten, Spitzkrokodile, Muscheln und zugleich essentielle Laichgründe für Fischarten wie den Mutton-Schnapper. Die kubanischen Meeres- und Tiefseegebiete dienen Seekühen, Haien und anderen Arten als Wanderungskorridore um zwischen dem Golf von Mexiko und dem atlantischen Ozean hin- und herwandern zu können. Vom fluorierenden Leben in den kubanischen Gewässern und Riffsystemen profitieren auch weiter entfernt gelegene Systeme fern ab den Gärten der Königin. Die kubanischen Strömungsverhältnisse treiben Korallenlarven und andere Organismen in den Norden, wo sie wiederum die stark dezimierten Populationen ihrer Artgenossen unterstützen. 

»Eine gesunde Riffumgebung wirkt sich auf die Vertreter aller Arten innerhalb des Korallenriffs aus, die wiederum die Bestände ihrer Artgenossen in weiter ›stromabwärts‹ gelegenen Regionen aufstocken«, sagt Daria Siciliano, die als Korallenexpertin am Institute of Marine Sciences der University of California in Santa Cruz tätig ist.

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Die Sowjetunion zerfällt und Kubas Riffe erblühen

Der Zerfall der Sowjetunion und das Aufblühen der kubanischen Korallenriffe standen in einem indirekten kausalen Zusammenhang. Als 1990 der Ostblock fällt, zerbrechen mit ihm die Handelswege, die zuvor Nahrungsmittel, Kraftstoffe, Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel nach Kuba befördert hatten. In Kombination mit dem US Handelsembargo, das alternative Handelsrouten verhinderte, kam es schließlich auch zu einem Zusammenbruch der kubanischen Fischerei, Zuckerrohrindustrie und letztlich auch der Landwirtschaft. Nichts, was den primären Sektor in Kuba zuvor vor allem in Form von Chemie unterstützte, hatte nun Zugang zum Inselstaat. In nur 5 Jahren verzeichnete Kuba einen Rückgang an landwirtschaftlichen Produktionen von über 50%. Die Pro-Kopf-Kalorienaufnahme verringerte sich um 30%. Keine leichte Zeit, in der die kubanischen Bauern zurück zu biologischen Anbaumethoden wechseln mussten –gezwungenermaßen, denn Pestizide und Kunstdünger waren nicht mehr verfügbar. 

Aus Zwang wird Ethos

Der Wechsel von anorganischer Landwirtschaft zu biologischem Anbau, der zunächst erst mal der gebundenen Notwendigkeit entsprang, wurde ziemlich bald zum Lokalethos. Das heißt, dass man erkannt hatte, was passierte, wenn man nicht die eigenen Meere mit Chemikalien tränken würde. Was die Kubaner zunächst „el período especial (die besondere Zeit) tauften, die sicherlich keine leichte Zeit war, ist zu einem riesigen Experiment geworden. Die Ergebnisse dessen sollten die Welt heute nicht mehr überraschen, aber es bestätigt, wie groß der Einfluss des Menschen auf die Ökosysteme der Welt ist, und das er entscheidet, ob jener Einfluss positiv oder negativ ausfällt. Mittlerweile hat sich die Pro-Kopf-Kalorienaufnahme verglichen zum Tiefpunkt 1993 verdoppelt. Die Äcker Kubas sind allerdings ähnlich chemiefrei wie in den 90ern, denn man hat erkannt wie sehr die Abkehr der industriellen Landwirtschaft terrestrische wie marine Ökosysteme zum Guten verändern kann.  

Heute ziehen Schwärme von Papageifische durch die Riffe Kubas und kontrollieren den Algenhaushalt in den Korallenriffen. Papageifische sind immer ein gutes Zeichen. Ein Zeichen für Gesundheit. 

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Gesunde Landwirtschaft = Gesunde Riffe 

Warum Kubas Riffe vor allem in Küstennähe vor Leben strotzen ist kein Rätsel mehr. Neusten Erkenntnissen zufolge steht die marine Gesundheit in einem engen Zusammenhang mit den kubanischen Landwirtschaftspraktiken, die sich von denen der Mehrheit aller Länder historisch wie mittlerweile ethisch bedingt unterscheiden. Das Wissen über die Gründe, warum Kubas Riffe vor der großflächigen Korallenbleiche verschont bleiben und anders als die Riffe von Florida bis Australien nicht von anderen zerstörerischen Krankheiten heimgesucht werden, kann entscheidend im Kampf um die Erhaltung der Meere sein. 

Kubas Politik konzentriert sich seit den 90er Jahren verstärkt auf Umweltschutz. Fast ein Viertel der Küstenregionen sind von der Regierung zu Nationalparks und Naturschutzgebieten erklärt worden. Der wohl gravierendste Schritt in der Umweltpolitik Kubas war der deutlich zurückgefahrene Verbrauch von Chemikalien in der Landwirtschaft, was einen dramatischen Rückgang von phosphor- und stickstoffhaltigen Abwässern zur Folge hatte und nach wie vor hat.  Das war aber nicht immer so: dem billigen sowjetischen Dünger „sei Dank“ hatte Kuba seit 1961 mit den in die Umwelt entlassenen Stickstoffen Rekorde aufgestellt.  1989 erreichte der Verbrauch von anorganischen Düngern einen weltweiten Spitzenwert von fast 800 Prozent. Der Kreislauf des Giftes ist vielen bekannt: Regen wäscht die enormen Düngermengen aus den Böden und spült die Chemikalien in die Entwässerungskanäle, die über verbundene Bäche und Flüsse schließlich in die Meere gelangen. Was dort passiert ist mitverantwortlich für das weltweite Korallensterben: die künstlich geschaffene Nährstoffbelastung führt zu einem explosionsartigen Wachstum schädlicher Algen, die den Sauerstoff in den Riffen verkonsumieren und den übrigen Arten und Organismen wortwörtlich die Luft zum atmen nehmen. Es entstehen sogenannte Todeszonen, in denen der Sauerstoffgehalt so niedrig ist, das Leben unmöglich wird. Auch wenn die Zustände der Riffe vor den 90ern weniger dokumentiert waren als heute, weiß man, dass Kubas Riffe geprägt waren von kranken Korallen und schwindenden Beständen, vor allem in den stark verdreckten Buchten von Havanna. 

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