Erdüberlastungstag: Wir leben auf Pump

© geralt (CC0 Lizenz von pixabay)

Seit Montag leben wir auf Pump: Bereits am 29. Juli waren die natürlichen Ressourcen der Erde für das Jahr 2019 erschöpft – Deutschland blamiert sich mit dem europaweit höchsten Pro-Kopf-Aufkommen an Verpackungsabfall. Die Deutsche Umwelthilfe fordert hab heute den „Plastik-Einweg-Boykott“ als persönlichen Beitrag zum Earth Overshoot Day.

Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse: alle natürlichen Ressourcen, die seit vergangenem Montag, dem 29. Juli 2019, verbraucht werden, kann die Erde in diesem Jahr nicht mehr regenerieren. Der sogenannte Erdüberlastungstag („Earth Overshoot Day“) rückt aufgrund des zunehmenden Ressourcenverbrauchs von Jahr zu Jahr weiter nach vorne. Um die Ressourcenverschwendung zu verringern, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) von den Verbrauchern ab heute einen konsequenten „Plastik-Einweg-Boykott“ als persönlichen Beitrag zum Earth Overshoot Day. Dabei geht es nicht um Verzicht: Wertschätzung für langlebige Produkte und eine gesunde Beziehung zum Thema Nachhaltigkeit ist was der Mensch von heute entwickeln muss, um aus eigener Kraft bereits etwas für unseren Planeten zu tun.

Würden alle so leben wie die Deutschen, bräuchten wir drei Erden

In jeder Minute werden allein in Deutschland mehr als 31.000 Einweg-Plastikflaschen, 11.000 Wegwerfbecher sowie 3.700 Einweg-Plastiktüten verbraucht. Einweg ist das Symbol einer schnelllebigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Würden alle so leben wie die Deutschen, bräuchten wir drei Erden. Mit Mehrweg lässt sich gezielt die Verschwendung von Wasser, Holz und fossilen Ressourcen für die Herstellung von Einweg-Wasserflaschen oder Einweg-Kaffeebechern vermeiden.

Deutschland sieht sich zu Unrecht als Vorreiter im Umweltschutz. Das war einmal vor vielen Jahren oder genauer Jahrzehnten tatsächlich der Fall. Heute steht Deutschland europaweit an der Spitze beim Pro-Kopf-Verbrauch an Verpackungen. Wir müssen die Schüler und Jugendlichen der FridaysforFuture-Bewegung mit ihren berechtigten Forderungen ernst nehmen und uns in unserem Konsumverhalten radikal von unökologischen Einwegverpackungen und kurzlebigen Produkten abwenden. Daher rufe ich alle Bürger dazu auf, ab heute Plastik- und weitere Einweg-Verpackungen zu boykottieren und wo irgend möglich unverpackte oder in Mehrweg verpackte Produkte auszuwählen. So bekommen Handel und Industrie auch die richtigen Signale“, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

„Einweg ist der Konsumstatus einer Überflussgesellschaft“

Einweg ist der Konsumstatus einer Überflussgesellschaft, die verschwenderisch mit den natürlichen Ressourcen umgeht. Früher wurde die Wiederverwendung und Instandhaltung hochgehalten. Deshalb ist es kein Zufall, dass vor fast 50 Jahren die Perlenglas-Mehrwegflasche für Getränke in Deutschland eingeführt wurde und zur erfolgreichsten Mehrwegverpackung der Welt geworden ist. Durch milliardenfache Wiederbefüllungen und regionale Wirtschaftskreisläufe wurden enorme Mengen an Ressourcen eingespart und das Klima entlastet. Produktions- und Konsummuster sollten sich an diesem beispielgebenden Mehrwegkonzept ausrichten. Wir brauchen einen Wertewandel von schnelllebigem Massenverbrauch hin zu Wiederverwendung und effizienter Ressourcennutzung“, so Resch weiter.

Die ungleichen Wertvorstellungen, die Mehrweg- und Einwegverpackungen zu Grunde liegen, hat die DUH in einzigartiger Weise in dem Kampagnenfilm „Mehr Wert“ auf die Beziehungsmentalität unserer Gesellschaft übertragen. „Einweg ist ein Symbol für Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit. Mit dem Kampagnenfilm wollen wir die Leute emotionalisieren und für einen Wertewandel von Einweg zu Mehrweg gewinnen und damit auch die Bedeutung von langlebigen und beständigen Beziehungen nicht nur mit Dingen, sondern auch mit Menschen betonen“, erklärt die DUH-Projektmanagerin Elena Schägg.

Aller Anfang ist leicht

Die ökologischen Herausforderungen, denen der moderne Mensch heute gegenübersteht sind gewaltig und sicherlich so überwältigend, dass der ein oder andere nihilistisch denkt und gar nichts tut. Dabei ist aller Anfang leicht. Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich im Rahmen des Projekts „Mehrweg. Mach mit!“ für den Einsatz klimafreundlicher Getränkeverpackungen ein. Ein Verzicht auf Einweg wie zum Beispiel Coffee-to-go wäre ein erster Schritt.

Über den Film „Mehr Wert“: http://l.duh.de/mehrwegfilm2019 

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