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Großes Artensterben im ostafrikanischem Victoriasee

Im drittgrößten See der Welt und größtem See Afrikas, gelegen im Länderdreieck von Uganda, Kenia und Tansania, vollzieht sich derzeit ein Artensterben mit katastrophalen und teils irreversiblen Folgen.

Die 70.000 Quadratkilometer große Oberfläche des Victoriasees im Osten von Afrika bietet Heimat für über 250 Fischarten, Krabben, Libellen, Wasserpflanzen, Krokodile und Flusspferde und ist darüber hinaus bekannt für den Reichtum an einzigartigen Arten, die teils bis heute nicht vollständig erfasst und beschrieben worden sind. Auch für etwa 40 Millionen Menschen, die in dem insgesamt 193.000 km² großen Einzugsgebiet leben, ist die Reichhaltigkeit des Sees zur Lebensgrundlage geworden – mit Folgen, die das ökologische System so nicht mehr lange tragen wird. Die rasch wachsende Bevölkerung, ihre Bedürfnisse und ihr analog dazu wachsender ökologischer Fußabdruck, speziell das Ablassen von ungeklärtem Abwasser aus Industrie und Siedlungen und die boomende Fischindustrie sowie der Kahlschlag der natürlichen Vegetation entlang der Uferlinie, gefährden den ökologischen Zustand des Victoriasees. Messbare Auswirkung: das Aussterben von teils einzigartigen Arten.

Artensterben ist endgültig

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat im Rahmen einer Studie den Gefährdungsstatus von 651 Arten analysiert, die im Victoriasee-Becken ihr Zuhause haben. Das Ergebnis ist alarmierend: Rund 20 % dieser Arten sind akut vom Aussterben bedroht. Über 200 der untersuchten Arten sind darüber hinaus einzig und allein im Victoriasee zu finden – von denen wiederum 76 % Gefahr laufen für immer von unserem Planeten zu verschwinden. In den letzten Jahren ist der Artenbestand des Buntbarsches um fast 50 % dezimiert worden. Die Studie erinnert schmerzhaft daran, dass Artensterben endgültig ist. Und sie unterstreicht das Paradoxon, dass mit dem vom Menschen verursachten Arten- und Natursterben einhergeht. Denn gerade wenn der Mensch durch sein kurzsichtig und verhältnisloses Handeln der Auslöser dafür ist, lebt er mit Natur und Umwelt, hier dem Victoriasee, in einer Beziehung der Abhängigkeit.

40 Millionen Menschen sind von der Gesundheit des Victoriasees abhängig

Es ist nicht nur der Fischhandel, der für die lokale Wirtschaft wichtig ist und vor allem die Lebensgrundlage für mindestens drei Millionen Menschen darstellt. Laut der IUCN sind die gefährdeten Lebewesen ebenso wichtig für Medizin und Bauwesen, wodurch sich das Drama zwischen Mensch und Victoriasee nur weiter verkompliziert. Neben der unmittelbar menschgemachten Auflösung des größten limnischen Ökosystems in Afrika durch Überfischung und Industrie, gefährden invasive Arten die Gesundheit und natürliche Harmonie im Victoriasee. Das sind Tiere und Pflanzen, die mit ihrer Ausbreitung den Lebensraum anderer Arten derart beinträchtigen, dass sie deren Fortexistenz gefährden und so langfristig der biologischen Vielfalt in einem System schaden können. In den 1980er Jahren ist die Dickstielige Wasserhyazinthe ungewollt in den See importiert worden und besetzte einst fast zehn Prozent der Wasseroberfläche, also knapp 7.000 km². Gefährlich ist sie nicht etwa, weil sie Transport- und Wasserwege blockiert, sondern weil sie dem Wasser den Sauerstoff entzieht und so vor allem den Fischbestand dezimiert. Um diesen aufzubessern, wurde der Nilbarsch bewusst in den Victoriasee eingeführt, hat insgesamt allerdings leider weiter zu Verdrängung vieler heimischer Fischarten beigetragen. Dem Viktoriasee geht es schon lange nicht gut und es scheint beinahe unausweichlich, dass dieser Leidensweg im Tod des drittgrößten Sees der Welt enden wird.


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