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Klimawandel: Antarktis schmilzt noch schneller als erwartet.

Die Gründe für den Klimawechsel, Auswirkungen dessen und Gegenmaßnahmen zur Entschleunigung oder gar Abwendung der Erderwärmung sind stark diskutiert und definieren ein Thema, das den Menschen bewegt. Ein Klimawandel kann natürliche Ursachen haben. Die Sonne, natürliche Treibhausgase, Vulkanismus und großräumige, tektonische Vorgänge sind im erdgeschichtlichen Maßstab die wichtigsten Klimafaktoren. Spätestens mit dem Aufstieg des Homo Sapiens zur Industriespezies jedoch ist ein weiterer Faktor in die Gleichung „Klimawandel“ hinzugekommen: die anthropogene Klimaveränderung. Daher rührt die emotionale Aufladung des Themas und das intrinsische Verantwortungsgefühl, vor allem dann, wenn Forscherteams des IMBIE über den dramatischen Verlust von 220 Milliarden Tonnen Eis in der Antarktis berichten – pro Jahr.

Würde die Antarktis komplett verschwinden, bedeutete dies einen Meeresspiegelanstieg von 58 Metern – und damit die Gefährdung sämtlicher- und die Vernichtung einiger vieler Küstenstädte. Nur ein Meter würde reichen um weite Areale der niederländischen und deutschen Küste unter Wasser zu setzen. Ein ernstes Thema also – allein schon weil es den Menschen in existentielle Schwierigkeiten bringt. Während zwischen 1992 und 2012 durchschnittlich 76 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren gingen, lag der Durchschnitt zwischen 2012 und 2017 bei 219 Milliarden Tonnen. In den letzten 25 Jahren sind mehr als drei Billionen Tonnen Eis verschwunden – das sind 3,800 Tonnen pro Sekunde; oder ungefähr 150 Tanklaster. Der Anstieg des Meeresspiegels ist praktisch dennoch ein zeitintensiver Prozess und die Gefährdung des Menschen steht noch in abwendbarer Ferne. Unmittelbar ist allerdings die bereits stattfindende und irreparable Zerstörung eines gesamten Ökosystems.

Die nächsten 10 Jahre entscheiden

Dem britischen Glaziologen Martin Siegert vom Imperial College in London und Stephen Rintoul vom australischen Centre for Southern Hemisphere Ocean Research zufolge entscheidet das kommende Jahrzehnt maßgeblich über den Werdegang der Antarktis. Wenn eine sehr baldige Umsetzung eines verbindlichen Klimaabkommens die zukünftige Erderwärmung auf maximal 0,9 Grad bis 2070 limitiert, dann würde die Eisschmelze den Meeresspiegel nur um 6 Zentimeter anheben. Bei Nichtumsetzung ist eine Klimaerwärmung von 3 Grad und ein Wasseranstieg  von 27 Zentimetern sehr wahrscheinlich. Im letzteren Zukunftsmodell würde das eine tiefgreifende Veränderung des Ökosystems mit ungewissem Ausgang bedeuten.


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